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Mars Desert Research Station, Erlebnisse im Überblick
Veröffentlicht von Barbara Burtscher in Mars Station • 18.12.2009 01:58:00
Zurück in der Schweiz denke ich sehr gerne an die zwei Wochen in der Mars Station zurück. Es war schon ein aussergewöhnliches Erlebnis.

Die 24Quadratmeter grosse Station für uns sechs Forscher war gar nicht so klein wie ich es mir zuerst vorgestellt hatte. Das Unangenehmste war, dass wir leider den unteren Stock nicht gut heizen konnten und bei der letzten Woche mit Rekordtemperaturen von sage und schreibe minus 40°C wurde der untere Bereich der Station schon ziemlich kalt. Vorallem im unteren Stock auf die Toilette zu gehen war schon eine grosse Überwindung. Auch die Benützung der Toilette mit der Regel „If it’s yellow, let it mellow – if it’s brown flush it down“ sieht bei sechs Personen nach einer gewissen Zeit nicht mehr ganz so appetitlich aus. Zudem sind die Toilette und die ganzen Wasserrohre bei diesen eisigen Temperaturen eingefroren und wir hatten diesbezüglich grosse Probleme.

In diesen zwei Wochen durfte ich insgesamt zweimal „Duschen“. Das Duschen ist aber nicht normal wie wir es bei uns zuhause können, sondern in der Mars Station muss man enorm Wasser sparen. So muss man sich innert wenigen Sekunden nass machen, dann das Wasser wieder abschalten, sich mit der OASIS-Seife einreiben. Diese Seife ist übrigens sehr speziell, man kann sie für alles verwenden – vom Abwaschen, Reinigen der Station bis hin zu sich selbst Waschen und für die Haare, es ist genau dieselbe Seife. Denn die eigene Seife darf man wegen der Wasserwiederaufbereitung auf keinem Fall verwenden, da sonst die Pflanzen, welche das Wasser säubern, absterben würden. So darf man kein eigenes Shampoo verwenden. Nach dem Einreiben der Seife darf man sich nochmals innert wenigen Sekunden abspülen und fertig ist die Dusche.

Nicht einmal eine normale Zahnpasta durften wir verwenden, sondern wir mussten unsere Zähne mit "baking Soda" putzen, so ein weissen Pulver. (Dieses Pulver auf die Zahnbürste streuen, nass machen und Zähne putzen). Als wir uns gegenseitig am Anfang nur noch fragend anschauten wurde uns gesagt, dass die Zähne so schon nicht ausfallen würden. Es klappt tatsächlich, dieses Pulver reinigt die Zähne, allerdings vermisst man nach zwei Wochen den Minze-Geschmack, da das Pulver eher nach gar nichts schmeckt.

Sehr erstaunlich ist auch die Astronautennahrung. Wir hatten alles aus der Dose. Käse – pulverförmig aus der Dose – mit heissem Wasser anrühren und fertig ist der Käse. Eier aus der Dose – lebenslang haltbar – auch mit Wasser anrühren und schon sind die Eier servierbereit. Erstaunlich war auch das eingeschweisste Brot, welches auch lebenslang haltbar ist. Bon appétit.

Lustig war auch die Verwendung vom Wasserhahnen, jedesmal wenn man ihn öffnet, dann beginnt eine elektrische Pumpe zu arbeiten und verursacht einen riesigen Lärm. In der Nacht nicht zu empfehlen, da man dann alle wecken würde. So kochten wir das Wasser am Tag bereits ab und füllten dieses dann in Wasserbehälter auf, um daraus dann unserer Flaschen zu füllen wenn wir in der Nacht Durst hatten.

Interessant war auch mein "Bett", ich musste mich ziemlich weit hochziehen um überhaupt ins Bett zu kommen. Nach dem dritten Tag habe ich zum Glück eine kleine Leiter in der Station gefunden, da ich sonst fast nicht ins Bett hochgekommen wäre. Das Bett bestand einfach aus einer Matte und einem Schlafsack, das Ganze auf Holz. Die Zimmer sind auch ganz lustig ineinander verschachtelt, d.h. ich schlief direkt über einem anderen Crew-Mitglied, deshalb musste ich so weit hoch um ins Bett zu kommen. Die Wände waren sehr dünn, so dass ich von den anderen alles hören konnte. So brauchte ich zum Beispiel auch keinen eigenen Wecker zu stellen, da ich ohnehin jedesmal gemeint habe der Wecker der Crew-Biologin sei direkt in meinem Zimmer, da ich ihn so laut hören konnte.

Die eisige Kälte von minus 40 Grad Celsius war schon ein ziemlich grosses Problem. Eines Morgens wollten wir um 6 Uhr mit unseren ATV Fahrzeugen (4rädrige Motorfahrzeuge) Eis suchen. Aber nach 10min mussten wir leider die Mission abbrechen, da sich leider unser Atem bei den Helmen der Raumfahranzüge sofort in Eis umwandelte. Nach kurzer Zeit konnte man so gar nichts mehr sehen.

Leider gab es dann auch wegen der Kälte eine ziemlich gefährliche Situation. Wir können von Glück reden dass wir es heute heil zurück zur Station geschafft haben, es war ziemlich knapp. Wir sind wegen Wasserproblemen leider etwas spät zur EVA aufgebrochen um an einer Stelle ziemlich weit weg von der Station nach Wasser zu suchen. Jedenfalls sind wir im Schnee mit unseren ATV Fahrzeugen zu dieser Stelle gefahren und schon beim Hinfahren hatten wir einige Probleme mit der Sicht, da sich leider unser Atem am Helm ziemlich schnell in Eis umwandelte. Das Hinfahren hat trotzdem sehr viel Spass gemacht durch die wunderschöne Landschaft voll von Schnee zu düsen. An der Stelle angekommen haben wir dann unsere Bohrungen für die Suche nach Wasser durchgeführt und sind auch nach etwa 45min fündig geworden. Wir konnten Wasser mit meinem Bodenfeuchtigkeitsmessgerät nachweisen (natürlich eine Stelle wo nicht der Schnee die Feuchtigkeit verursachte). Jedenfalls haben wir plötzlich bemerkt wie wunderschön rot die Landschaft wurde. Wir waren in unsere Arbeit so vertieft, dass wir leider nicht bemerkt hatten, dass es schon bald dunkel wird. Nachdem wir also unsere Arbeit fertig hatten und zurück zur Station fahren wollten war der Himmel noch schön rot und eindrücklich. Es ging aber ziemlich schnell dass es stockdunkel wurde und wir leider noch immer weit weg von der Mars Station waren. Es wurde mit der Kälte immer schlimmer und wir konnten fast nichts mehr sehen, mein Helm war von einer halben Zentimeter Eisschicht bedeckt, da sich der Atem am Helm gleich in Eis umwandelte. Den Helm abziehen hat man sich aber bei dieser Kälte auf keinem Fall getraut, da man sonst schnell Erfrierungen im Gesicht erhalten hätte. Wir versuchten dann dennoch den Weg zurück zur Station selbst zu finden. Unglücklicherweise hatten unsere Funkgeräte grosse Probleme mit der Kälte und streikten leider. So konnten wir in dem Moment Mission Control nicht informieren dass wir Hilfe brauchen. So blieb uns nichts anderes übrig als es zu versuchen zurück zur Station zu finden, denn die Nacht in dieser Kälte da draussen hätten wir wohl nicht überlebt.

In einem für die Sichtverhältnisse mörderischen Tempo fuhren wir über die sehr hügelige Landschaft mit unseren ATV Fahrzeugen da es dermassen kalt war, dass wir versuchen mussten so schnell wie möglich zurück zu kommen. Auf halben Weg frohr mir dann auch noch mein rechter Arm ein. Leider wurde der Handschuh beim Start der Mission durch den Schnee ziemlich feucht da wir zuerst eine Schneeballschlacht gemacht haben. Der nasse Handschuh des Raumfahranzugs verursachte, dass ich die Kälte umso mehr spürte und schliesslich meinen rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. Fatal, da ich doch mit der rechten Hand bei diesem Fahrzeug immer Gas geben musste. Keine Chance, meine linke Hand musste her - am Steuer überqreuzt und mit nur einer Hand fuhr ich dann weiter. Schwierig war dann das Schalten der Gänge, dies musste auf der linken Seite erfolgen, aber auch das konnte ich erstaunlicherweise zum Glück irgendwie meistern, sah wohl ziemlich akrobatisch aus. Unterdessen versuchte ich in meine rechte Hand wieder Blut durchzupumpen, da bemerkte ich dass ich blöderweise meine Hand nicht einfach in der Luft herumschleuderte sondern jedesmal ans ATV Fahrzeug schleuderte und ich habe es nicht mal bemerkt, so kalt war meine Hand schon.

Da unsere Funkgeräte nicht mehr funktionierten konnte ich leider meinen Vordermann auch nicht mehr über meine Situation informieren und so blieb mir nichts mehr anderes übrig als mit nur einen Hand weiterzufahren. Ich konnte nur noch die beiden Lichter der vor mir fahrenden ATV-Fahrzeuge schwach erkennen, den Boden konnte ich wegen dem Eis unmöglich sehen, so dass es leider häufig unvorhergesehene Hügel gab, welche mein Fahrzeug fast von der Bahn brachten. Trotzdem sind wir wohl mit den Fahrzeugen noch nie so schnell durch diese Gegend gefahren, die grösste Gefahr war zu diesem Zeitpunkt die mörderische Kälte.

Die Sekunden verstrichen wie Stunden und plötzlich erreichten wir dann doch noch mit den letzten Kräften die Station. Sie sah in diesem Moment so wunderschön aus, wir wussten, wir sind gerettet. Die restlichen Crew-Mitglieder welche in der Station geblieben sind versuchten uns so schnell wie möglich von den Raumfahranzügen zu befreien und wir gingen so schnell wie möglich in den geheizten Bereich im 2.Stock der Station. Es dauerte eine halbe Stunde bis ich bei meinen rechten Fingern wieder etwas fühlen konnte. Zum Glück ist nichts passiert, mein Arm ist noch dran und auch bei den anderen beiden Crew-Mitgliedern Judah und Lara sind keine Schäden entstanden. Nach einem warmen - aus der Dose mit heissem Wasser angerührtem - Astronautenmahl fühlten wir uns schon wieder fit.

Eine noch gefährlichere Situation erlebten wir, als sich eines Tages eine Gruppe von ca. 20 Hunden plötzlich sehr schnell uns näherte und einige Meter neben uns stehenblieben. Ich habe mir in diesem Moment noch überlebt ob ich ein Foto machen sollte, aber zum Glück habe ich mich entschieden es bleiben zu lassen, denn als wir am Abend ‚Mission Control‘ im Report über das Erlebnis berichteten herrschte nachher eine grosse Aufregung diesbezüglich. Uns wurde von einem Jäger von Hanksville (dem nächstgelegenen Dörflein) berichtet, dass er schon seit zehn Jahren nach dieser Gruppe von Hunden suche. Die Hunde seinen wild und würden Menschen angreifen, es seinen schon mehrere Menschen getötet worden. Wir müssen nun vor allem in der Dunkelheit enorm aufpassen und wir dürfen die Station nur noch zu zweit verlassen. So mussten wir zum Beispiel bei jeder astronomischen Beobachtung in der Nacht immer mindestens zu zweit sein.

Den ausgebrannten Motor konnte ich übrigens glücklicherweise ersetzen. Ein Kollege aus den USA hat den Motor bei seinem Teleskop ausgebaut und ihn mir per Express zugesandt, hat zum Glück alles gut geklappt, so dass ich dann noch beobachten konnte.
Eines der Highlights war auch das Tischtennis-Turnier. Mit den Raumfahranzügen Tischtennis zu spielen war schon recht anstrengend. Zudem hat man mit den Helmen keine sehr gute Sicht, so dass man aufpassen musste dass man den Ball nicht verpasst. Sich mit den grossen Schuhen gut zu bewegen war auch so gut wie unmöglich. Trotzdem hatten wir grossen Spass beim Spielen.

Die ganze Landschaft war so wunderschön und nach den zwei Wochen fühlte man sich dort wie auf dem Mars. Vorallem weil wir die Station nur mit den Raumfahranzügen verlassen durften. Diese zwei Wochen werde ich wohl nie wieder vergessen, wir hatten eine ganz tolle Crew und uns allen hat der Aufenthalt in der Mars Desert Research Station sehr gefallen.



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